Offene Anfrage des JAEB zur Reduzierung der Öffnungzeiten der Kitas ab 8. Juni 2020 an das Jugendamt

Sehr geehrter Herr Dogan
Sehr geehrter Herr Serafin,
Sehr geehrte Frau Bernhard,

mit Freude hat der JAEB die Öffnung der Kitas für nunmehr wieder alle Kinder zum 8. Juni verfolgt. Eine regelmäßige und durchgehende Betreuung aller Kinder ist besonders
für das Wohl der Kinder von zentraler Bedeutung.

Eine verlässliche Betreuung ist auch ein zentraler Bestandteil vieler Eltern für die Gestaltung des Arbeitsalltages. Dies ist jetzt besonders für jene Eltern wichtig, welche nicht durch die Möglichkeit von Heimarbeit einen Verdienstausfall vermeiden konnten.
Arbeitgeber erwarten angesichts einer wieder anlaufenden Kinderbetreuung die zunehmende Präsenz der Arbeitnehmer vor Ort während der regulären Arbeitszeiten. Zudem ist in vielen Berufen zeitlich flexibles Arbeiten oder Arbeiten im Homeoffice per se nicht möglich.

Leider sind weiterhin viele Eltern mit einer Betreuungslücke konfrontiert, welche oftmals nicht durch Großeltern oder alternative Betreuungen aufgefangen werden kann.
Im Rahmen der aktuellen Regelung zur Reduzierung der Betreuungszeiten verzeichnen wir vielmals eine Vorverlegung der Schließzeit je Tag um 2 Stunden.
Eine pauschale Verkürzung der Öffnungszeiten stellt für viele Eltern eine Verschlimmbesserung anstatt einer Entlastung dar.
Oftmals erfolgte die Information der betroffenen Eltern sehr kurzfristig und mit Verweis auf die Reduzierung der Betreuungszeiten.

Wir vom JAEB können weder in der „Informationen zur Aufhebung des Betreuungsverbotes und dem eingeschränkten Regelbetrieb ab dem 08.06.2020“ noch in der „Handreichung für die Kindertagesbetreuung“ eine Empfehlung zur Reduzierung der Öffnungszeiten erkennen. Es ist lediglich vermerkt: „Die jeweilige Ausgestaltung beispielsweise im Hinblick auf die Verteilung der Wochenstunden oder die Betreuungszeiten obliegt den Einrichtungen.“

Demnach ist die Entscheidung für eine Reduzierung der Öffnungszeiten durch den jeweiligen Träger sowie das Jugendamt erfolgt.

Nach Kibiz §9a Absatz 4 ist der Träger einer Tagesstätte verpflichtet, den Elternbeirat rechtzeitig und umfassend zu informieren und insbesondere vor Entscheidungen über die Öffnungszeiten anzuhören.

Diese Verpflichtung ist aus Sicht des JAEB missachtet worden.

Der JAEB kann in vielen Fällen nachvollziehen, dass die aktuellen Vorgaben für den Betrieb einer Kita sowie die andauernde personelle Unterdeckung viele Träger vor besondere Herausforderungen stellt.

Der JAEB kann verstehen, dass die Reduzierung der Öffnungszeiten für viele Träger die aktuell einzige Möglichkeit darstellt, einen Regelbetrieb für alle Kinder anzubieten.

Der JAEB kann nicht verstehen, warum dies ohne Beteiligung der Eltern erfolgt ist.
Der Bedarf an Betreuung wird maßgeblich durch die Eltern bestimmt.

Eine Reduzierung der Öffnungszeiten kann einfach durch die Vorverlegung der Schließzeit erfolgen. Jedoch stellt dies nicht die einzige Möglichkeit dar. In Zusammenarbeit mit den Eltern wären auch anderweitige Modelle möglich.
Wieso wurde beispielsweise nie ein späterer Beginn in Betracht gezogen?

Wir leben alle gemeinsam in herausfordernden Zeiten.
Die Herausforderung für Eltern wird aber umso höher, wenn sie stets mit Entscheidungen konfrontiert werden, deren Konsequenz sie alleine tragen müssen.
Nicht der Träger einer Kita sondern die Eltern sind weiterhin mit Betreuungslücken konfrontiert. Ein teil-erstatteter Kita-Betrag kann diese Lücke auch nicht schließen.

Auf welcher Basis wird die Kürzung der Öffnungszeiten der jeweiligen Kitas gerechtfertigt?

Wurden alternative Konzepte zur Gestaltung der Betreuungszeit der Kinder in Betracht gezogen?

Warum gab es im Vorfeld weder eine rechtzeitige Information noch eine Anhörung der jeweiligen Elternräte?

Der JAEB erwartet hierzu eine Stellungnahme seitens des Jugendamtes.

Viele Grüße
JAEB Sankt Augustin
Vorsitzender: Robert Heimann